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Die Begriffe »Wert« und »Werte« verweisen auf das Gute. Sie zielen damit letztlich auf etwas Höheres, die einzelne Person Transzendierendes, auf etwas Absolutes, Universelles – aber die wirtschaftliche Terminologie sorgt für eine abrupte Erdung. Ist das angemessen? Will man so über ideelle Abstrakta spre- chen, die den meisten Menschen in ihrem tiefsten Innern wichtig und unab- dingbar erscheinen, beispielsweise über Freiheit, Menschenwürde, Sicherheit, Frieden, Ordnung, Wahrheit, Gerechtigkeit oder Gleichheit? Wo sich der ökonomische Wert auch mitnichten absolut, sondern erst im Dreieck aus Zweck, Nutzen und Knappheit als relative Größe des Tauschs ergibt? Zumal der Kurs- wert an den internationalen Börsen, der Geldwert im Zangengriff von Inflation und Deflation oder der Wert von Immobilien nach aller Erfahrung eine volatile Angelegenheit ist und damit keineswegs etwas in seiner Erhabenheit Bestän- diges, sondern Sinnbild von Varianz und Kontingenz? Ist das nicht der Gipfel des Ökonomismus, einer kulturell bedenklichen Wahrnehmungsstörung?

Orientierung im Wandel: Zu der Entstehung von Werten und ihrer Bedeutung für den Einzelnen und die Politik.In: Werte – und was sie uns wert sind. Eine interdisziplinäre Anthologie. Hrsg. von Randolf Rodenstock und Neşe Sevsay-Tegethoff, Roman Herzog Institut, München 2018, S. 37-50.